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Welttag der Migranten & Flüchtlinge

Heute habe ich mit Sadou gesprochen. Er kommt aus Guinea. Das liegt an der äußersten Westküste Afrikas. In unmittelbarer Nachbarschaft liegen Länder wie Burkina Faso oder Sierra Leone, die nicht gerade für Gerechtigkeit, Demokratie, Menschenwürde und Frieden bekannt sind. Aber auch in Guinea ist das Leben mehr als hart für die Bevölkerung. Eine sehr hohe Kriminalität, Korruption und eine unbeschreibliche Armut bestimmen den Alltag der Menschen dort.

Sadou floh 2016.

Er hat noch vier Geschwister. In Richtung Mittelmeer floh er durch Liberia, Burkina Faso, Niger und Libyen. In Niger packten Schleuser die insgesamt 25 Flüchtenden auf die Ladefläche eines Toyota Pickups. Ein Pkw mit Ladefläche für 25 Reisende, wofür man in Deutschland einen Reisebus genommen hätte. Die Jungs und Männer stiegen nachts auf das Fahrzeug. Ihnen wurde Wasser versprochen, denn es ging von da an durch die Sahara. Am nächsten Morgen bemerkten sie nasse Füße, denn die Schlepper hatten den Boden der Ladefläche mit den Plastikflaschen bedeckt, in dem sich das Trinkwasser befand und Stoffplanen darüber gelegt. Da sie mit 25 Menschen obendrauf standen und es durch Berge und unwegsames Gelände ging, rieb der Fahrzeugboden die Flaschen unter dem Gewicht auf, Dadurch hatten sie kaum noch Wasser - und das schon am ersten Tag.

Dennoch ging es 2 Wochen durch die Wüste in Richtung Libyen. Sadou litt so sehr an Durst, dass er dachte er überlebt diesen Teil der Reise nicht. Dazu kam tagsüber die sengende Hitze und nachts unendliche Kälte. Es gab weder Sonnenschutz noch Jacken auf der Ladefläche des Pickups. Kurz hinter der libyschen Grenze ging auch noch ein Reifen des Fahrzeugs kaputt.
Sadou schlug sich durch. Über Italien gelangte er in ein deutsches Aufnahmelager und kam 2020 bei uns in der SozDia an, um eine Ausbildung machen. Er spricht nach drei Jahren in Deutschland nicht nur ein fabelhaftes Deutsch, sondern auch Französisch, Englisch und Italienisch sowie natürlich seine Stammessprache Fula. Er war immer sehr gut in der Schule und das Lernen fiel ihm stets leicht.

Sadou ist unglaublich froh hier angekommen zu sein. Froh in der SozDia aufgenommen worden zu sein. Er fühlt sich wohl hier und hätte das alles nie für möglich gehalten. Er meint:"...ich wusste vorher, dass die Reise mit 90-prozentigem Risiko behaftet ist und jetzt bin ich hier..." und man merkt, trotz des Mund-Nasenschutzes wie er vor Freude lächelt und seine Augen strahlen.

Ich frage Sadou zum Abschluss, ob er einen Traum hat? Er antwortet: "Ja, zuerst möchte ich meinen Abschluss machen". Und ich frage weiter: "Sonst nichts?" Sadou sagt: "Doch, ich würde unheimlich gern einmal meine Mutter wiedersehen und meine Geschwister. Ich sehne mich sehr nach ihnen."

Am 17. Januar begehen wir den Welttag der Migrant*innen und Flüchtlinge. An diesem kirchlichen Gedenktag würdigen wir ganz besonders die Stärke und den Mut, den diese Menschen täglich aufbringen. Um Solidarität mit geflüchteten Menschen zu zeigen, können wir ihre Geschichten teilen und die Herausforderungen sichtbar machen, denen sie gegenüberstehen.